Über mich

Die kürzeste Version meiner Biografie lautet: Ich sammle Geschichten.

Kann man ein Leben aus seiner Mitte heraus erzählen? Mein Weg führte vom Siegerland über Lüneburg und New York nach Berlin und Potsdam, durch Zeitungsredaktionen, Hörfunkstudios, Archive, Bibliotheken und unzählige Gespräche mit Menschen.

Ich war 16 Jahre alt, als mich die 62-jährige Maria aus der Nachbarredaktion in Siegen zum Auschwitz-Prozess im Landgericht nebenan mitnahm. Angeklagt war ein ehemaliger SS-Mann. Der Gerichtssaal wurde beherrscht von einem riesigen KZ-Modell. Zeitzeugen aus Israel rollten vor dem Richter ihren Hemdsärmel hoch, um die tätowierten Nummern zu zeigen, und versuchten, sich zu erinnern: War der alte Mann vor ihnen der Mörder von damals?

Nur in Ansätzen habe ich damals verstanden, was da geschah. Doch die Fragen nach Erinnerung, Verantwortung und den Geschichten hinter den Schlagzeilen haben mich nie wieder losgelassen. Es war Zufall, dass ich im Studium der Angewandten Kulturwissenschaften ausgerechnet bei den ersten Exilforschern in Lüneburg landete. Und bei den ersten Professorinnen, die zur Frauen-Geschichte forschten.

Rückblickend erscheinen diese Einzelheiten wie Puzzlestücke, die langsam ein Bild ergeben. Die Zeitungsjournalistin, Kulturwissenschaftlerin, Hörfunkfrau, Podcasterin, die Forscherin – das waren nie getrennte Rollen. Sie alle bauten auf dem Fundament der Neugier: auf Menschen, ihre Erfahrungen und die Spuren, die sie hinterlassen.

Heute entwickle ich Podcastreihen, recherchiere historische Themen, moderiere Gespräche und mache Geschichten sichtbar, die sonst leicht übersehen würden. Mich interessieren die Persönlichkeiten hinter den großen Ereignissen, die Zwischentöne unter den Schlagzeilen und die Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Vielleicht besteht meine Arbeit letztlich darin, zuzuhören. Und dafür zu sorgen, dass das, was erzählt werden muss, nicht vergessen wird.


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